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 Dunkelheit der Feenwelt (vorläufiger Titel)

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Anubis
Jadé
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BeitragThema: Dunkelheit der Feenwelt (vorläufiger Titel)   So 23 Dez 2012, 12:52

Ich entschließe mich hier einfach mal dazu, meine Story auch hier reinzustellen. Sie handelt von Mona, wie sie ihren Weg findet. Aber ich bin schlecht in Zusammenfassungen und da ich zum teil noch selbst nicht weiß, wie sie wirklich ausgehen wird, solltet ihr selbst sehen. Vielleicht habt ihr auch schon im Skype-Channel davon gelesen.

Ich freue mich immer über Kritik und Tipps und hoffe ihr verbessert meine Rechtschreibfehler... Ich hoffe ihr seid auch nicht zu scheu, wenn ihr nur positives Feedback habt, das wir mich anspornen! Bin nicht sehr schnell mit Storys, doch mit eurer Unterstützung hoffe ich, dass ich dieses mal fertig werde.

Nun wünsche ich viel Spaß beim Lesen~


Prolog

Die Nacht schien kein Ende nehmen zu wollen. Dunkelheit durchzog die Straßen und Wolken versperrten den Blick zum Mond.
Mona kam keuchend zum stehen und blickte gehetzt über ihre Schulter. Hatte sie ihre Verfolger abgehängt? Sie lauschte angestrengt. Ein Hund bellte, zwei Katzen stritten sich um etwas, ein Penner durchstöberte eine Mülltonne. Aber kein Getrampel von schweren Stiefeln oder Rufe. Sie atmete zischend aus.
Vielleicht hatte sie es nun endlich geschafft. Sie sah sich noch ein letztes Mal hektisch um bevor sie in einer Gasse verschwand und dort einige verschlungene Abzweigungen nahm. Sie lief auch einige Male wieder zurück, nur um dann den anderen Weg zu folgen. So ging sie auf Nummer sicher, dass sie nicht so schnell gefunden werden würde.
Fieberhaft suchte ihr Verstand ein Versteck für den Rest der Nacht. Morgen würde sie sich verkleiden müssen, aber erst einmal brauchte sie Ruhe von der Jagd.
Plötzlich brüllte jemand über den ganzen Block, schimpfte über die Soldaten, die ein kleines Mädchen verloren hatten. Sie zuckte zusammen und rannte los. Sie machte sich keine Gedanken mehr über die Abzweigungen und sprang hoch auf eine Feuerleiter. Sie sah nach unten, es war einige Meter hoch. Das würde die Polizisten verwirren. Zufrieden, aber der Gefahr in der sie sich befand nur allzu bewusst stieg sie die Treppen hinauf, rannte geduckt über das Dach und lies sich auf der anderen Seite auf die Treppe nieder. Auf dem Weg nach unten sprang sie auf ein anderes Gebäude und zog ihren Pullover aus. Diesen warf sie auf die Straße, das würde die Köter bestimmt einige Augenblicke ablenken. Dann war sie auch schon wieder auf dem Weg zum nächsten Gebäude.
Mona überlegte weiter wo sie hin könnte und hatte plötzlich einen Geistesblitz. Sie sprang noch ein Gebäude weiter und lies sich dann auf die wenig befahrene Straße hinab. Die Stimmen waren näher gekommen. Verdammt.
Schnell überquerte sie die Kreuzung und steuerte direkt auf den Fluss zu, der sich durch die Mitte der Stadt zog. Ohne zu zögern wollte das Mädchen hineinspringen, sie wusste dass sie der reißenden Strömung kaum etwas entgegenzusetzen hatte.
Kurz bevor sie den Boden verließ umfingen sie aber zwei muskulöse Arme und zerrten sie einige Schritte zurück. Mona unterdrückte einen Schrei und wollte sich losreißen, als sie eine bekannte Stimme vernahm: „Mona, halt still! Ich will dir nicht wehtun“
Sie zuckte zusammen. Mit Dorian hatte sie nicht gerechnet. Ihr Stiefbruder war vom ersten Tag an freundlich gewesen. Aber sie hatte seinen Blick immer länger auf sich gespürt, als nötig. „Lass mich los“, fauchte sie und zerrte an seinen Händen, die sich nur noch ein wenig fester um sie schlossen.
Sie schloss ihre Augen und atmete einmal tief ein. „Wenn du mich nicht sofort loslässt“, sie sprach völlig monoton, „dann brech ich dir beide Arme.“ Mann musste Dorian zugutehalten, dass er nicht zusammenzuckte. Er lockerte seine Umarmung, hielt sie jedoch noch am Handgelenk fest.
„Wieso gehst du?“ In seinen Augen blitze seine Besorgnis auf und Mona wurde etwas ruhiger. Aber sie hörte wie die Polizisten näher kamen, er hielt sie auf.
„Das fragst du noch?“, gab sie schärfer als beabsichtigt zurück, „Du weißt genau was sie machen wollen.“ Sie machte eine kurze Pause, lies den Kopf hängen und flüsterte dann: „Lass mich jetzt bitte los.“
Dorian hörte den Schmerz heraus, wurde sich bewusst das er sie nicht würde aufhalten können und lies sie los. Er hauchte nur noch „Pass auf dich auf“ und verschwand dann um die Wachen auf eine falsche Spur zu führen.
Kurz aus der Fassung gebracht, taumelte Mona und versuchte zu begreifen warum Dorian sie überhaupt aufgehalten hatte.

Monas Gedanken fanden einen Weg in die Vergangenheit. Mit fünf war sie dem, zu diesem Zeitpunkt elf Jahre alten Dorian zum ersten Mal begegnet. Sie hatte ihn mit großen, runden Kulleraugen angeschaut. Sein dunkelbraunes, kurzgeschnittenes Haar hatte ihr gefallen und sie starrte in seine braunen Rehaugen.
Er war etwas zurückhaltend, doch als sie ihm ein strahlendes Lächeln mit dem Wort „Bluda!“ schenkte und gleichzeitig die Arme zu einer Umarmung ausbreitete, taute er auf und umarmte sie herzlich. Von diesem Zeitpunkt war er ständig an ihrer Seite. Sie folgte ihm auf Schritt und Tritt, denn sie erkannte die Güte die in ihm stecke.
Als sie fiel und sich ein Knie aufschlug war er an ihrer Seite bevor sie auch nur daran denken konnte zu heulen. Er brachte sie mit komischen Grimassen zum Lachen und sie vergaß den Schmerz auf der Stelle. Danach hatte er sie zum Krankenflügel ihrer Villa gebracht, wo er sie die ganze Zeit über ablenkte.
Danach dachte Mona an ihre Schulzeit. Dort war sie wegen ihrer Haar- und Hautfarbe immer gehänselt worden und lief weinend zu ihrem Beschützer. Sie erzählte ihm alles und er tröstete sie und lenkte sie dann mit immer neuen Spielen ab.
Sie musste kichern als sie an Thomas dachte, der kurz nachdem er sie an den Haaren gezogen hatte mit einer Glatze und einem sehr wütenden Blick in die Schule gekommen war. Oder an Hannah, die einmal mit einem zerrissenen Schulranzen aufgekreuzt war und mächtigen Ärger von den Lehrern bekam. Sie hatte am Vortag Monas Tasche durch den Dreck gezogen. Ähnliche Dinge waren wieder und wieder passiert und immer nur denen, die Mona geärgert hatten. Irgendwann traute sich niemand mehr sie auch nur schief anzuschauen.
Wenn sie so darüber nachdachte, konnte es gut möglich sein, das Dorian hinter all diesen Dingen steckte. Es war sogar sehr wahrscheinlich, jedoch konnte ihm nie jemand etwas nachweisen. Als sie heimkam hatte er dann gegrinst und nach ihrem Tag gefragt. Sie hatte nur gelacht und ihm erzählt wie die anderen reagierten, hatte immer geahnt, dass er es war der sie beschützte.
Denn das war etwas, von dem sie nur wenig erfahren hatte. Schutz. Ihre Eltern waren früh umgekommen und sie war von den Christensens aufgenommen worden und Mona war auch dankbar dafür. Aber sie hatte nie auch nur einen Funken Zuneigung von den Zieheltern gespürt. Das Mädchen konnte es den Feen nicht verdenken – sie war keine der ihren. Später hatte sie herausgefunden dass es ein Fehler der Vermittlung gewesen war. Aber Dorian hatte durchgesetzt das sie bleiben konnte.
Sie war noch so klein gewesen und hatte nach Aufmerksamkeit gelechzt, doch nur der Bruder schenkte sie ihr. Von Mercedes und Claude wurde sie vehement ignoriert. Mona hatte anfangs geglaubt das es an ihr läge, doch als sie die Wahrheit erfahren hatte, hatte sie sich immer weiter zurückgezogen und war fast gar nicht mehr Zuhause. Dorian war darüber sehr wütend geworden und sie hatten tagelang gestritten. Doch sie hatte nicht nachgegeben und ihn schließlich aus ihrem Leben verscheucht, auch wenn es ihr nicht leicht gefallen war. Er war der einzige, der ihr jemals halt gegeben hatte. Doch Mona konnte es nicht ertragen, das seine Eltern angefangen hatten auch ihn zu ignorieren.
Letztendlich wollte Claude sie in eine fremde Familie verheiraten. An einen über hundert Jahre älteren Mann. Gut, da Feen unsterbliche Wesen waren, war das nichts Ungewöhnliches. Aber Mona kannte ihn nicht und eine Heirat verband einen lebenslang. Sie wollte nicht an jemanden gebunden sein, der sich als ein korrupter Höllenhund herausstellte. Und das war er, wie ihre heimlichen Nachforschungen herausgestellt hatten.

Das Mädchen kam wieder in der rauschenden Gegenwart an und schüttelte immer noch benommen den Kopf. Nun war sie hier, hatte ihren einzigen Freund vergrault und war nun ganz allein auf der Welt. Sie hatte nichts mehr zu verlieren und so sprang sie, nachdem sie sich noch ein letztes Mal gestattete sich nach Dorian umzusehen der gerade mit dem Haufen Lykanthropischen Polizisten diskutierte.
Ohne Angst vor dem Tod warf sie sich dem schwarz glitzernden Nass entgegen. Mit dem Leben abgeschlossen hatte sie schon von dem Augenblick an, wo sie entschieden hatte zu fliehen. Das Wasser des Jordans kam immer näher, Monas Biest zerrte an ihrer Haut wollte raus, sie retten. Doch sie bekämpfte es und spürte das kühle Wasser aufspritzen. Sie tauchte komplett unter und wurde sofort von der Strömung mitgerissen.
Sie dachte daran, dass sie sich noch bei ihrem Bruder entschuldigen und danken wollte. Dass sie noch nie einen Wald gesehen hatte und kaum ein Tier in dieser Menschenverseuchten Stadt. Eine Liebe hatte sie nie erfahren und vielleicht würde sie das auch nicht mehr. Sie bedauerte noch so viel und doch war es ihr egal.
Mona kämpfte sich an die Oberfläche, holte tief Luft und wurde wieder hinab gezogen in die tiefe Dunkelheit des Flusses. Sie versuchte zu kämpfen, einen Weg zu finden wieder heil wegzukommen. Auch wenn sie mit dem Leben abgeschlossen hatte – sie wollte, wenn es möglich war dennoch einmal wirklich leben.
Plötzlich spürte sie einen stechenden Schmerz und ihr Blickfeld verdunkelte sich.


- Prolog Ende -
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Anubis
Jadé
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BeitragThema: Re: Dunkelheit der Feenwelt (vorläufiger Titel)   Do 17 Jan 2013, 16:30

1. Kapitel

Das wärmende Feuer prasselte angenehm im Kamin und Craig genoss die Ruhe. Doch er würde heute noch Kräuter sammeln müssen, sein Vorrat wurde langsam leer. Wenn nun ein Notfall aufkam hätte er nicht mehr genügend Heiltränke. Und er hatte ein gutes Gespür dafür, wann etwas geschehen würde. Dazu kam dass heute dieses Gefühl übermächtig war, er hatte es noch nie so stark erlebt. So seufzte er unzufrieden und erhob sich fluchend. Der alte Sessel knarzte unter seinen geschmeidigen Bewegungen und der Elfenhund, der neben ihm auf dem weichen Teppich geschlafen hatte sprang schwanzwedelnd auf. „Wolf, kommst du mit? Ich brauche nicht lange, du kannst auch hier bleiben“, erklärte der junge Mann lächelnd und ging in die Küche. Dort wollte er schnell etwas trinken und den ledernen Rucksack abgestellt. Der Hund folgte ihm sofort und Craig wurde klar, dass er seinen Schützling so schnell nicht loswerden würde.
Die langen Luchsohren des Hundes zuckten ununterbrochen und er sah sich unruhig um. Er bemerkte es und kniff die Augen zusammen. Vielleicht war es keine gute Idee gerade jetzt zu gehen, Elfenhunde hatten einen sehr guten Instinkt und eine gewisse Vorahnung. Es war gefährlich. Doch seine Heiltränke waren wichtig und er hatte nur noch zwei davon. Also hatte er keine andere Wahl als zu gehen.
So schnappte er sich einen großen Rucksack, wo er einige Kräuter würde unterbringen können und einen langen Mantel. Draußen lag bereits Schnee und er hasste die Kälte. Craig hatte sich schon mehrmals überlegt einfach wegzuziehen. Doch dann dachte er an die anderen Dorfbewohner und daran, dass er der einzige Heiler war. Er brachte es einfach nicht übers Herz die anderen alleine zu lassen. Und jemanden auszubilden würde Jahre dauern. Außerdem mochte er keine Gesellschaft. Er lebte gern etwas abgeschieden vom Rest der Welt, ohne sich rechtfertigen zu müssen warum er dies oder jenes tat.
Er öffnete die Tür und atmete einmal tief die eiskalte Luft ein. Seine Lunge brannte von den kleinen Eiskristallen, die sich durch den Schnee gebildet hatten, doch er verzog keine Miene. Er ließ Wolf noch heraus und schloss dann die Türe hinter sich. Er trat ein paar Schritte vor und drehte sich noch einmal zu seinem kleinen Häuschen um. Es hatte nur einen Stock und verschmolz fast mit den Bäumen, die um es herumstanden. Er hatte sie aus inmitten eines natürlichen Hügels gebaut und manche übersahen es auch ohne den Schutzzauber den er normalerweise anwendete und sein Zuhause vor neugierigen Blicken schützte.
Eine kleine Lawine löste sich von dem sonst braunen Dach und krachte direkt auf das darunter stehende Werkzeug. Craig verfluchte sich selbst, wieso hatte er nicht daran gedacht es in die Hütte zu holen? Schnell säuberte er es von dem Schnee und trug die wenigen Holzgegenstände hinein. Wütend stapfte er nun nach draußen wo Wolf schon auf ihn wartete. „Ich komme ja schon“, beruhigte er ihn und sah sich misstrauisch um. Der Hund hatte viel zu schnell von seinem seltsamen Verhalten abgelassen, das machte ihm Sorgen. Natürlich war es besser wenn nichts geschehen würde, aber dennoch musste er vorsichtig sein. Dieser Wald war voller seltsamer Wesen und nicht einmal der Magier wusste was genau sich hier herumtrieb. Und das war der mächtigste Mann der Welt.
Schulterzuckend ging er dann weiter, er kam ja doch nicht umhin die Kräuter zu sammeln. Nach ein paar Schritten fiel im auf, dass mehr Schnee gefallen war, als er erwartet hatte. Er sank bis zu den Knien ein und der Elfenhund verschwand vollkommen. Aber Wolf hatte viel Spaß, hüpfte immer weiter. „Wolf, pass a-„, Craig streckte noch seine Hand nach dem Hund aus, doch es war bereits zu spät. Mit einem lauten, knackenden Geräusch war er gegen einen dicken Baumstamm gesprungen. Langsam sank er herab, seine unnützen Flügelchen zuckten unkontrolliert. Unten angekommen schüttelte das kleine Wesen den Schnee von seinem flauschigen Fell, doch der Baum schickte ihm noch einen Batzen hinterher, der direkt auf dessen Kopf landete.
Craig verkniff sich ein lachen, doch als er den verdutzten Blick des Elfenwesens sah konnte er nicht anders und brach in schallendes Gelächter aus. Wolf warf ihm einen vernichtenden Blick zu, konnte aber nicht lange böse sein und war sofort wieder auf den Beinen. Solch eine Kleinigkeit würde ihn nicht aufhalten können. Fröhlich bellend gesellte er sich neben Craig und hüpfte immer gerade so hoch, dass er sehen konnte wo er landen würde.
Seine Suche ging weiter und er kämpfte sich einen Weg durch den Schnee. Er würde bei diesen Verhältnissen mindestens eine Stunde brauchen, aber schon nach wenigen Minuten musste er stehen bleiben und kurz durchatmen. Dieser verdammte Schnee. Davon gab es definitiv zu viel. Irgendwann würde er lernen müssen auch bei dieser Kälte zu fliegen.
Er sah kurz hoch und war wie immer erstaunt von der Schönheit der Wildnis. Die Abendsonne glitzerte auf dem unberührten Schnee. Die riesenhaften Bäume trugen kristallene Früchte, die die Sonnenstrahlen brachen und in tausende Farben unterteilte. Die Berge, die man nur an schönen Tagen erkennen konnte spiegelten sich in einem riesigen See. Der Fluss der darin mündete ging um die ganze Welt und man nannte ihn den Jordan, denn niemand wagte es ihn zu durchqueren.
Craig hatte einmal von einem Selkie gehört der versucht hatte durchzuschwimmen. Doch er hatte bereits nach einem Viertel der Gesamtstrecke gezwungenermaßen abgebrochen. Es war so kalt, dass er nur noch tot geborgen werden konnte. Aber er hatte einen Weltrekord aufgestellt. Ein sarkastisches Lachen kam über Craigs Lippen. Was brachte es diesem armen Geschöpf denn, dass er in einem Buch stand? Sein Leben war verwirkt. Für immer. Niemand hatte den Seehund dazu gezwungen, doch es kam ihm wie Selbstmord vor.
Sein Blick wanderte zu der schrecklichen Stelle weiter, wo ein Brand vor einigen Jahren fast die Hälfte des Waldes niedergemacht hatte. Die Bäume waren immer noch verkohlt und nur wenige neue Sprösslinge hatten sich durch die Asche gekämpft. Es wurde viel geforscht wie das Feuer entstehen hatte können, doch niemand wusste es. Und die, die es vielleicht hätten wissen können waren schon verschwunden bevor der Brand bemerkt worden war. Nun stand der Ansatz des Waldes da, als ob er auf etwas warten würde. Vielleicht auf die Wiederbelebung durch ein Wunder.
Der Junge ging weiter, seine Pause war nun lange genug gewesen. Der Kampf gegen die Natur erschöpfte ihn, der Schnee wollte nicht weniger werden egal wie viel Craig auch fluchte. Deshalb behielt er die meisten Flüche für sich. Doch als er in einen Kaninchenbau trat und dort bis zu seiner Hüfte einsank entkamen seinem Mund alle Flüche die er kannte. Wieso mussten auch ausgerechnet an diesem Tag seine Kräuter ausgehen?
Wolf kam angehüpft und bellte aufgeregt. Sein Stummelschwanz schwang hin und her. Craigs Augen weiteten sich, als er erkannte was das Vieh vorhatte und wollte schon „Sitz“ brüllen. Doch er kam zu spät. Mit einem lauten „Wumms“ warf der Elfenhund Craig um und zog so das Bein aus dem Loch. Doch jetzt waren beide von oben bis unten durchnässt. Gut, der Hund war vorher schon nicht mehr zu retten gewesen, aber Craig hatte nicht vorgehabt sich jetzt schon wie ein durchnässter Pudel zu fühlen.
„Vielen Dank auch Wolf“, grummelte er und warf den Hund von sich runter. Er stand Zähneknirschend auf und klopfte den Schnee von seiner Kleidung. Ein leichter Wind zog auf und der Junge wusste dass er sich beeilen musste. Sonst würde er noch krank werden, dass sollte er auf alle Fälle vermeiden. Er zog seine Jacke fester um sich und stapfte weiter, diesmal mehr auf den Boden vor sich achtend.
Nach wenigen Minuten erreichte er seinen ersten Zwischenstopp und sammelte schnell die kristallenen Blätter eines Kirschbaumes ein. Wolf ignorierte er, der schnüffelte auf der Suche nach Eichhörnchen, Kaninchen oder Elfen am Boden herum. So ging die Suche weiter und erst als es schon dunkel wurde, hatte er soweit alles, das er sich zu dem letzten Ort aufmachen konnte. Die Pflanze dort würde er nur in der Nacht bekommen, es war eine silberne Mondblüte. Sie war sehr selten und Craig hoffte dass er dieses Mal eine finden würde. Die vorherigen Versuche waren alle gescheitert. Und nun konnte er keine Mondtränke mehr herstellen. Das waren die besten heiltränke der Welt und wenn man sie nicht öffnete hielten sie ewig. Nur wenige konnten ihn herstellen, auch wenn man das Rezept in die Finger bekam, so war es doch fast unmöglich alleine herauszufinden, wie er genau funktionierte.
Craig hatte sein Wissen von seinem früheren Lehrmeister. Er dachte bedauernd an dessen seltsames Ende und schüttelte dann den Kopf. An so etwas sollte man nicht denken, schon gar nicht auf der Suche nach den Mondblüten. Er fröstelte und eilte zu einer Lichtung, die beschützt mitten im Wald lag. Eine seltsame Aura umgab sie, schütze die seltenen Blumen vor lauernden Gefahren.
Selbst Wolf wusste, dass dies ein heiliger Ort war und hielt sich fern. Er würde im Wald darauf warten, dass sein Herrchen zurückkehrte.
Der Mond war schon zu sehen und die Blumen glitzerten in dessen Licht, streckten sich ihm entgegen, nur um noch ein klein wenig mehr abzubekommen. Er wusste instinktiv, dass er diesmal Erfolg haben würde. Nur wenn es diese seltsame Mondliebende Stimmung gab konnte die Mondblüte geerntet werden. Und da sah er sie auch schon. Friedlich war sie auf dem umgefallenen Baumstamm in der Mitte der Lichtung gewachsen. So als wüsste sie, dass sie erhaben über all die anderen Blumen war.
Vorsichtig, um die anderen Blumen nicht zu stören, ging er zu der gewünschten Blüte und sah zu ihr herunter. Die violetten Blütenblätter leuchteten heller als alles andere und die Rosenartige Knospe öffnete sich langsam. Fasziniert beobachtete er das Schauspiel. Die Innenseiten der Blüten hatten ein tiefes Blau und schienen das Mondlicht zu reflektieren.
Langsam zog er seinen Rucksack vom Rücken und holte eine kleine Schere hervor. Er machte sich bereit die Blüte genau im richtigen Moment abzuschneiden. Wenn er zu spät war, würde sie verwelkt und unnütz sein, zu früh und die Kräfte wären noch nicht angesammelt sein. So wartete er gespannt wie ein Bogen und lies die Blume mit keinem Moment aus den Augen.
Ein helles Leuchten durchflutete die Lichtung und drohte wieder abzuflauen. Genau in diesem Moment durchschnitt Craig den Stängel und hielt die wertvolle Blüte in der Hand. Bewundernd drehte er sie, um sie zu begutachten und stellte fest, dass es ein Prachtexemplar war. So eine schöne Mondblüte hatte er schon lange nicht mehr gesehen.
Zufrieden stand er auf, streckte sich und machte sich dann auf den Heimweg. Es war schon sehr spät und er würde sich beeilen müssen, bevor er einem Monster begegnete. Sie würden jeden Augenblick aus ihren Höhlen kommen. Und dann sollte er schon lange in seinem Haus sein.
Leise pfiff er durch seine Zähne und sofort war Wolf an seiner Seite, angespannt bis aufs letzte. Auch er spürte die Gefahr. Schnellen Schrittes, er rannte schon fast, lief er in die Richtung seines Hauses. Die Kristallenen Bäume wirkten jetzt nicht mehr schön, sondern jagten ihm einen Schauer über den Rücken. Unheimliche Schatten spiegelten sich in ihnen und rot blitzende Augen zerstreuten jeden Gedanken an eine vertraute Umgebung.
Das normalerweise vertraute Geräusch des tosenden Flusses ließ ihn jetzt zusammenzucken und als er merkte, dass es nichts war erleichtert aufatmen. Wie konnte er nur ruhig bleiben? Er lief noch etwas schneller und stolperte prompt über eine herausragende Wurzel. Krachend viel er zu Boden. Seine Arme hatte er vorgeworfen, jedoch war er nicht schnell genug gewesen und sich die Stirn aufgeschlagen. „Ouch“, murmelte er und hielt sich die leicht blutende Stelle.
Er sah auf und erstarrte. Lag da nicht etwas im Schnee? Er hielt den Atem an.
Wartete.
Als er kurz darauf merkte, dass sich nichts rührte stand er bedacht auf und ging näher an das etwas heran. Langsam und vorsichtig. Man konnte ja nie wissen, ob es nicht doch angreifen würde. Wilde Tiere hatten manchmal seltsame Jagd oder Revierverhalten und Craig wusste nicht was das sein konnte. Weißes Fell, mit einem hellblauen Oberkörper, etwas Rotes blitze auch durch und zum Unterkörper wurde das Blau dunkler. Das Wesen lag seltsam verrenkt da, die Arme und Beine, lang und schlaksig, ineinander verworren. Er wagte noch einen Schritt und hielt den Atem an.
Er hatte sich nicht vorstellen können was er fand. Ein Mädchen. Durchnässt, Ohnmächtig und voller getrocknetem Blut lag sie da.
Nun galt es keine Zeit mehr zu verlieren. Er ließ seinen Rucksack fallen und eilte zu ihr. Zuerst nahm er den Puls, wenn sie nicht mehr lebte hatte alles andere keinen Sinn. Er wartete und zählte. Sie lebte, aber gerade noch so. Der langsame Pulsschlag wurde immer schwächer. Er zog seinen Mantel aus und legte ihn ihr um. Erst einmal musste er sie warm halten, dann sah er sich die Wunde an. Es war nicht so schlimm, nur eine Platzwunde am Hinterkopf, sie war schon fast wieder verheilt. Sie war unterkühlt und atmete nur noch flach.
„Wolf“, rief er. Der Elfenhund hatte die ganze Zeit über hinter einem Baum gewartet. Er war nicht sonderlich Mutig, hatte nur ein Gespür für Gefahr. Er wollte nicht näherkommen, roch das Blut und die damit nahende Bedrohung. Monster würden davon angelockt werden. Doch er wollte auch seine Schuld gegenüber Craig einhalten und kam langsam näher.
„Könntest du dich groß machen?“, fragte dieser ernst, „Du musst das Mädchen tragen. Du hast eine höhere Körpertemperatur, außerdem sind wir so schneller…“ Wolf verstand sofort, hielt die Luft an und seine sonst kleine Gestalt verschwamm plötzlich. Wurde größer, breiter und wirkte nach wenigen Sekunden wie ein prall gefüllter, riesiger, flauschiger Luftballon. Als er seine volle Größe von stattlichen zwei Metern erreicht hatte, stieß er die restliche Luft mit einem lauten Zischen aus und Craig konnte ihn nun in seiner wahren Gestallt betrachten.
Die Flügel waren nun so groß, dass der Hund wirklich fliegen konnte, die Ohren wirkten nun viel zu groß für den Kopf. Die Pfoten waren ebenso groß, jedoch wirkten sie unter dem breiten Schultern des Tieres winzig. Sein Stummelschwanz war zwar größer geworden, aber man könnte meinen der Wolf habe ihn einem Kaninchen geklaut. Die Schnauze füllte nun eine Reihe scharfer Zähne, doch die sanften Augen straften Lügen.
Wolf ließ sich auf alle viere nieder und beobachtete Craig, wie er das Mädchen vorsichtig auf den Rücken des Hundes schob. „Danke Wolf“, flüsterte der junge Mann als er fertig war, gab dem Elfenhund noch einen liebevollen Klaps auf den Hintern und rief dann „Los!“
Fast gleichzeitig stürmten die zwei Gefährten los, Craig nur knapp hinter dem Tier um sicher zu gehen, dass das Mädchen auch nicht herunter fiel. Aber erstaunlicherweise blieb sie, wo sie war. Bildete sich Craig das nur ein, oder kuschelte sie sich gerade etwas an den riesigen Wolf? Er schüttelte den Kopf, das konnte nicht sein, sie war nicht einmal bei Bewusstsein. Nachdem er fast noch einmal über eine Wurzel gestolpert war, konzentrierte er sich auf den Weg und spornte den Hund an noch ein wenig schneller zu laufen.

- 1. Kapitel Ende -
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